Erstes Convenortreffen
TOPS:
Datum 22.03.2023 save-the-date e-mail dann CfP & schauen, wie die Reaktionen sind Entwurf für Call bis 9. Januar 2023 ins Pad: https://pad.uni-hamburg.de/Aw-LKBY8QGSCrglqLWhbdw#
Aufgrund der Ablehnung unseres für die DHd2023 eingereichten Workshops, veranstalten wir direkt im Anschluss eine Online-Unconference um das Profil der AG zu schärfen.
Termin: 2022-03-22 9-17 Uhr
Ort: Online
Format: OpenSpace
Wir bitten um Anmeldung bis 2022-03-08 auf Zoom.
Die AG Multlingual DH in der DHd organisiert anlässlich der DHd2023 einen Workshop zur inhaltlichen Konstituierung der AG. Die Hegemonie der englischen Sprache und lateinischen Schrift in den digitalen Geisteswissenschaften wird bereits seit längerem als Ursache für kulturelle und technologische/digitale Asymmetrien in den Blick genommen. Insbesondere die Nutzung nicht-lateinischer Schriften in digitalen Umgebungen ist mit zur Verfügung stehender Software, Informationssystemen und Infrastrukturen bislang nur in sehr beschränktem Rahmen oder oft auch gar nicht möglich. Vor diesem Hintergrund hat sich die AG Multlingual DH konstitutiert, um folgende Fragen zu verhandeln:
Der Workshop soll anhand von drei grundlegenden Themenbereichen multilinguale DH Schwerpunkte für die weitere AG Arbeit entwickeln:
Der Workshop beginnt schon während der DHd Konferenz im Slot der AG Multilingual DH mit der Themenfindung. Hier können von Teilnehmer:innen Ideen und Themenvorschläge eingebracht und diskutiert werden. Diejenigen, die nicht an der Konferenz teilnehmen können, bitten wir im Vorfeld das Convenor-Team kontaktieren (Email oder Discord), das entsprechende Themenvorschläge dann einbringt.
Auf dem Post-Conference Barcamp wird nach einer kleinen Eröffnungsrunde in Arbeitsgruppen an den Themen und Projekten gearbeitet, die auf der DHd2023 gesammelt wurden. Dafür stehen Breakout Rooms und ein Miro-Board zur Verfügung. Analog zum OpenSpace-Format gilt auch hier:
Entsprechend dem OpenSpace-eigenen «Gesetz der zwei [digitalen] Füße» ist es jederzeit möglich und erwünscht, zwischen den Gruppen zu wechseln oder auch kurzfristig neue Situationen des kreativen Austauschs zu finden und zu schaffen.
Zuletzt werden die in den Arbeitsgruppen erarbeiteten Ergebnisse im Plenum gemeinsam vorgestellt und diskutiert. Ein Miro-Board wird sowohl als Zusammenfassung für die Ergebnisse des Workshops, als auch als visualisierter Wegweiser für die künftige Arbeit der DHd AG Multilingual DH dienen. Gemeinsam wird zum Abschluss über die Nachnutzung und mögliche Publikation der Ergebnisse entschieden.
Der Workshop wird von Mitgliedern der AG Multilingual DH ausgerichtet und ist offen für alle, die sich mit mehrsprachigen DH-Projekten beschäftigen oder sich generell für Mehrsprachigkeit in den DH interessieren. Spezielles Vorwissen ist nicht notwendig.
Die Community Hour findet jeden ersten Donnerstag im Monat von 13 bis 14 Uhr statt.
Die Hegemonie der englischen Sprache und lateinischen Schrift in den digitalen Geisteswissenschaften wird bereits seit längerem als Ursache für kulturelle und technologische/digitale Asymmetrien in den Blick genommen. Insbesondere die Nutzung nicht-lateinischer Schriften in digitalen Umgebungen ist mit zur Verfügung stehender Software, Informationssystemen und Infrastrukturen bislang nur in sehr beschränktem Rahmen oder oft auch gar nicht möglich. Der von der AG Multlingual DH organsierte Workshop soll anhand von drei grundlegenden Themenbereichen multilinguale DH Schwerpunkte für die weitere AG Arbeit entwickeln. Dies soll in einem OpenSpace entlang der folgenden Fragen geschehen: Wie können die DH multilingualer werden bzw. die Community der multilingual DH practitioners sich stärker vernetzen? Welche Aufgaben erwachsen daraus für Wissenschaftsinfrastruktur-Verantwortliche wie Bibliotheken, Forschungs-IT Abteilungen etc. um multilinguale DH stärker zu unterstützen bzw. überhaupt erst zu ermöglichen? Welche Rolle kann die Dhd-AG MLDH hier einnehmen?
Der Workshop richtet sich an all diejenigen, die in ihrer Arbeit auf die Nutzung von multilingualen digitalen Tools (Plattformen, Software etc.) und insbesondere auf die Verwendung nicht-lateinischer Schriften in digitalen Umgebungen angewiesen sind. Die Hegemonie der englischen Sprache und lateinischen Schrift in dem stark wachsenden Feld der digitalen Geisteswissenschaften wird bereits seit längerem als Ursache für kulturelle und technologische/digitale Asymmetrien in den Blick genommen [@Fiormonte2017DigitalHumanitiesGeopolitics; @Fiormonte2021TaxationOverrepresentationConsequences; @FiormonteEtAl2022Introduction; @GilOrtega2016GlobalOutlooksDigital; @Golumbia2013PostcolonialStudiesDigital; @Liu2012WhereCulturalCriticism; @Ortega2014MultilingualismDH; @Spence2021DisruptingDigitalMonolingualism]. Insbesondere die Nutzung nicht-lateinischer Schriften (NLS) in digitalen Umgebungen ist mit zur Verfügung stehender Software, Informationssystemen und Infrastrukturen bislang nur in sehr beschränktem Rahmen oder oft auch gar nicht möglich [@AsefWagner2018WorkshopBerichtNichtlateinischeSchriften; @Dombrowski2020PreparingNonEnglishTexts; @Dombrowski2020WhatWordMultilingual; @GhorbaninejadEtAl2022RTL; @Horvath2022DigitalBrushTalk; @Mahony2018CulturalDiversityDigital].
Seit der DHd 2022 widmet sich die AG Multilingual DH (https://dig-hum.de/ag-multilingual-dh) dem Anliegen der Unterstützung von Multilingualität in DH-Infrastrukturen, der Erarbeitung von Lösungsansätzen und Verbesserung technischer Anforderungen im Bereich der Multilingualität durch die Sichtbarmachung der Probleme im Austausch mit Entwickler*innen sowie der kritischen Diskussion der deutschen und internationalen DH-Praxis im Hinblick auf (neo)koloniale Praktiken z.B. bezüglich Vokabularen, monolingualen Infrastrukturen, Methodologien und Themenfeldern. Wie können die DH multilingualer werden bzw. die Community der multilingual DH practitioners sich stärker vernetzen, welche Aufgaben erwachsen daraus für Wissenschaftsinfrastruktur-Verantwortliche wie Bibliotheken, Forschungs-IT Abteilungen etc. um multilinguale DH stärker zu unterstützen bzw. überhaupt erst zu ermöglichen? Welche Rolle kann die Dhd-AG MLDH hier einnehmen? Diese Fragen sollen im von der AG Multilingual DH organisierten Workshop anhand von drei grundlegenden Themenbereichen multilingualer DH (Definitionen von Multilingualität/Mehrsprachigkeit, Monolingualität; Multilingualität und Wissenschaftsinfrastrukturen; "user stories" aus der multilingualen Digital Humanities Praxis) diskutiert sowie Schwerpunkte für die weitere AG Arbeit entwickelt werden.
Digitalität wohnt ein großes egalitäres Heilsversprechen inne: der uneingeschränkte Zugang zum Wissen der Welt -- für jede*n, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Erweitert für die DH versprechen wir uns die Beantwortung zentraler Forschungsfragen durch die Anwendung computationeller Methoden auf das digital(isiert)e Kulturerbe der Menschheit. Die Grundlage für den Glauben an ein solches Heilsversprechen ist die Verschleierung der Zugangsvoraussetzungen für die Teilhabe an dieser schönen neuen Welt. Metaphern in Interfaces und Zeichenkodierungen, d.h. der Möglichkeit geschriebene Sprache digital abzubilden, sind die Basis sämtlicher Mensch-Maschine Interaktionen und begründen einen fundamentalen digital divide zwischen hegemonialem, anglophonen Globalen Norden und Globalen Süden.
Vor diesem Hintergrund setzt sich der Workshop mit drei grundlegenden Themenbereichen dazu auseinander und behandelt allgemeine Fragen zur Mehrsprachigkeitsdefinitionen in den DH, darunter auch Fragen zum Verhältnis von Programmiersprachen und natürlichen Sprachen, das Verhältnis von Einsprachigkeit und Mehrsprachigkeit in Wissenschaftsinfrastrukturen sowie konkrete Probleme aus der mehrsprachigen, digitalen Praxis.
Die Beschäftigung mit Mehrsprachigkeit im Kontext der digitalen Geisteswissenschaften steht dabei unter dem Vorzeichen anglophoner Sprachdominanz, die sich auf verschiedenen Ebenen zeigt: Englisch ist die häufigste Arbeitssprache für (internationale) DH-Projekte, Journals, Konferenzen und Veranstaltungen [vgl. @FiormonteEtAl2022Introduction, XIX]. Wenn sich DH Gemeinschaften der anglophonen Anpassung entziehen, dann leiden sie oft darunter, international nicht wahrnehmbar und damit unsichtbar zu sein [vgl. @FiormonteEtAl2022Introduction]. Außerdem wirkt sich die anglophone Einsprachigkeit auf Projekte, Tools, Korpora, Metadaten und Infrastrukturen aus. Mehrsprachigkeitsdefinitionen in den DH beziehen sich dadurch erstens auf die Kritik (dominanter) Einsprachigkeit [vgl. @Fiormonte2021TaxationOverrepresentationConsequences] und befassen sich mit Sprachenvielfalt, indem Tools, Korpora, Daten, Projekte in unterschiedlichen Sprachen bzw. auf unterschiedlichen Sprachen verfügbar gemacht werden. Eine besondere Positionen kommt dabei Sprachen mit geringen Sprecher*innenzahlen sowie Sprachen ohne Schrifttradition zu. Mehrschriftigkeit ist ebenfalls ein Aspekt dieser Form von Mehrsprachigkeit. Mehrsprachigkeit und Mehrschriftigkeit gehen hier von einem Nebeneinander unterschiedlicher Sprachen aus. Zweitens befassen sich mehrsprachige DH-Ansätze mit inhärent mehrsprachigen Projekten, die mit mehreren Sprachen, über Sprachgrenzen hinweg oder zu gemischt-sprachlichen Phänomenen (fused lects) arbeiten. Hierzu gehören etwa Übersetzungen, die automatisierte Erkennung von Code-Switching oder Sprachvergleiche. Auch das Arbeiten mit verschiedenen historischen Sprachstufen fällt in diese Kategorie. Zuletzt umfassen Mehrsprachigkeitskonzepte in den DH auch das Verhältnis von Markup-Sprachen, Programmiersprachen, Beschreibungssprachen zu natürlichen Sprachen. Auch die individuelle Mehrsprachigkeit und Sprachkenntnisse der einzelnen Forschenden bzw. der Forschungsgruppen können in dem Zusammenhang reflektiert werden und sind auch häufig Ausgangspunkt in Diskussionen zum Mehrsprachigkeitsbegriff in den DH [vgl. @Horvath2021EnhancingLanguageInclusivity, 2].
Die verschiedenen Mehrsprachigkeitskonzeptionen und -konstellationen und implizite sprachpolitische Einstellungen wie die Dominanz des Englischen und die Marginalisierung kleinerer Sprachen beeinflussen sich gegenseitig. Im zweiten Schwerpunkt des Workshops soll es daher im die Rolle von Akteur*innen und Infrastrukturen gehen, die im Kontext globaler DH sprachpolitisch wirksam sind.
Der digital divide zeigt sich strukturell und institutionell auf verschiedenen Ebenen. So ist Unicode ein gigantischer Fortschritt gegenüber ASCII. Aber es ist auch ein in Kalifornien inkorporiertes Industriekonsortium ohne jegliche demokratische Legitimation, das zum einen allen Schriftsystemen die Buchstabenmetapher überstülpt und zum anderen der Idee von Nationalsprachen anhängt. Im Ergebnis gibt es für Suchalgorithmen 32 verschiedene Schreibweisen von "mekkanisch" in arabischen Buchstaben, die für arabisch-sprachige Menschen allerdings identisch sind. Dazu kommt die Verschleierung der realen Kosten der Digitalität, d.h. des notwendigen, kontinuierlichen Einsatzes menschlicher Arbeitszeit und natürlicher Resourcen, für Bereitstellung, Aufbau und Erhaltung digitaler Inhalte und Infrastrukturen. Ein berühmter Protestslogan, der sich von Baghdad aus im östlichen Mittelmeerraum verbreitet hat, lautet "Du bist so schön, wie eine zusätzliche Stunde Strom". Weite Teile des Globalen Südens haben weder kontinuierlichen Strom noch Internetzugänge. Ihr in der Folge des Kolonialismus sich häufig in den Sammlungen des Globalen Nordens befindliches Kulturerbe wird, wenn überhaupt, häufig ohne ihre Beteiligung digitalisiert. Kataloge und Interfaces liegen fast ausschließlich in den hegemonialen Sprachen des Globalen Südens vor, während Webbrowser basale Funktionalität von HTML5 für die Darstellung nichtlateinischer Sprachen nicht implementiert haben. So führt die technische Angabe, dass ein Text in Arabisch geschrieben ist (@xml:lang="ar"), nicht dazu, dass dieser korrekt rechtsbündig angezeigt wird. Diese Nichtbeachtung setzt sich durch die Bank fort. Können Algorithmen für OCR, NLP, NER, Stilometrie, Topic Modelling ohne zusätzlichen Aufwand für Sprachen und Schriften des Globalen Südens verwandt werden und stellen Interfaces für diese Algorithmen diese Schriften korrekt dar? Die Antwort ist fast immer "nein!". Im Ergebnis sind die Gesellschaften des Globalen Südens mit einer permanenten Entfremdung, Notwendigkeiten der Übersetzung und einen zusätzlichen Aufwand konfrontiert, während für die Gesellschaften des Globalen Nordens die konstante Mediation durch sozio-technische Systeme durch die unmittelbare Vertrautheit ihrer Metaphern und Zeichensysteme und den vergleichweise ubiquitären Zugang zur notwendigen technischen Infrastruktur quasi unsichtbar wird.
Aus diesen strukturellen Bedingungen ergeben sich zugleich konkrete Probleme aus und in der Praxis von Area Studies Fächern im Globalen Norden (wissenschaftspolitisch in Deutschland i.d.R. als sogenannte "Kleine Fächer" marginalisiert, wenn auch aktuell mit neuen Förderlinien fokussiert, [vgl. @BMBFKleineFaecherGrosse]), für die die Arbeit mit Quellen in nicht-lateinischen Schriften sowie die Zusammenarbeit mit Forschenden und Lehrenden in den Regionen Arbeitsgrundlage des Faches ist und die auf Multilingualität und internationale Zusammenarbeit ermöglichende Infrastrukturen angewiesen sind [vgl. @KirmizialtinWrisley2022AutomatedTranscriptionNonLatin]. Eine weiterführende im Zusammenhang mit dem Themenschwerpunkt der DHd Konferenz 2023 stehende Frage ist hier zugleich, wie Open (Digital) Scholarship im Rahmen von transnationalen Kontexten gefördert werden kann [vgl. @Grallert2022OpenArabicPeriodical; @Wrisley2019EnactingOpenScholarship]. Der Workshop öffnet einen Raum, anhand von "user stories" der multilingualen DHd-community und zusammen mit allen Teilnehmenden die genannten Herausforderungen zu fokussieren und zu erörtern.
Der eintägige Workshop beginnt mit einer Q&A-Session, in der die Workshop-Veranstalter*innen anhand eines visualisierten Charts zunächst die zentralen Themengebiete vorstellen, mit denen wir uns im Rahmen von Multilingualität in den Digital Humanities auseinandersetzen. Dabei werden zugleich von AG-Mitgliedern und anderen Interessierten eingereichte "user stories" vorgestellt, die die praktischen Herausforderungen und Desiderate des forschens und lehrens mit multilingualen Quellen verdeutlichen. In diesem Kontext ist es für alle Teilnehmer*innen möglich, ein gemeinsames Verständnis für die sich stellenden Herausforderungen zu entwickeln, Fragen zu stellen und eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu üben. Hierbei wird genügend Raum und Zeit gegeben, dass alle Teilnehmer*innen gleichermaßen dem weiteren Verlauf des Workshops folgen können.
Im Anschluss wird der Workshop als OpenSpace weitergeführt, in dem die Teilnehmer*innen auf der Basis ihrer eigenen Wünsche und Vorstellungen das weitere Programm entwickeln. Hierbei folgen wir den zentralen Prinzipien der OpenSpace-Methode:
Jede Person ist die richtige Person: Unabhängig vom fachlichen Hintergrund kann jede*r Teilnehmer*in ihren kreativen Beitrag zu ihren Herausforderungen bzw. Lösung von Problemen mit Multilingualität leisten
Was auch immer geschieht, ist das einzige was geschehen sollte: Der kreative Freiraum bietet Teilnehmer*innen mehr Möglichkeiten, flexibel und offen über die Themengebiete, die sie unter dem Thema multilinguale DH am meisten interessieren, zu diskutieren
Es beginnt, wenn die Zeit reif ist: Auch, wenn wir einen Zeitrahmen vorgeben, ist den Teilnehmer*innen freigestellt, ihre Pausen und Arbeitsphasen selbstständig und nach den eigenen Bedürfnissen zu legen, um im richtigen Moment kreativen Austausch zu ermöglichen
(Nicht) Vorbei ist (nicht) vorbei: Ebenso bieten wir den Arbeitsgruppen die Freiheit, selbst zu bestimmen, wann sie zu einem Ende kommen und ihre abschließenden Ergebnisse formulieren wollen.
Es können selbstständig Themenwünsche eingebracht werden, die im Kontext zu den drei vorgestellten Themenbereichen stehen, oder auch neue Themenbereiche erschließen. Nach einer kurzen Findungsphase werden diese Themen dann in Arbeitsgruppen diskutiert und bearbeitet. Entsprechend dem OpenSpace-eigenen Gesetz der zwei Füße ist es jederzeit möglich und erwünscht, zwischen den Gruppen zu wechseln oder auch kurzfristig neue Situationen des kreativen Austauschs zu finden und zu schaffen.
Zuletzt entwickeln die Arbeitsgruppen in einem One-Minute-Paper gebündelt zentrale Positionen, Probleme und Fragestellungen, die dann im Plenum gemeinsam vorgestellt und diskutiert werden. One-Minute-Papers sind eine Methode zur Ergebnissicherung und sollen dazu beitragen, die diskutierten Themen und Ergebnisse auch über den Workshop hinaus produktiv weiterzuführen. Hieraus soll abschließend ein Chart entstehen, das sowohl die Ergebnisse des Workshops zusammenfasst, als auch einen visualisierter Wegweiser für die künftige Arbeit der DHd AG Multilingual DH darstellt und entsprechend publiziert wird.
Eine visualisierte Präsentation in Form eines Charts, die im Workshop erarbeitete Herausforderungen und Probleme, sowie Lösungsansätze und Perspektiven zusammenfasst und sowohl als eigenständiges Werk publiziert wird, als auch einen Wegweiser für die künftige Arbeit der DHd AG Multilingual DH darstellt.
Der Workshop wird von Mitgliedern der AG Multilingual DH ausgerichtet und wendet sich an alle, die sich mit mehrsprachigen DH-Projekten beschäftigen oder sich generell für Mehrsprachigkeit in den DH interessieren. Spezielles Vorwissen ist nicht notwendig.
Die im Sinne des CfP Beitragenden dieses Workshops sind die einreichenden Organisator*innen in ihrer Funktion als Co-convenors der AG Multilingual DH: Till Grallert (HU Berlin, till.grallert@ub.hu-berlin.de), Jana Mende (Universität Halle-Wittenberg, jana-katharina.mende@germanistik.uni-halle.de), Jonas Müller-Laackman (Universität Hamburg, jonas.mueller-laackman@fu-berlin.de) und Cosima Wagner (FU Berlin, cosima.wagner@fu-berlin.de). Die Forschungsinteressen konvergieren um Multilinguale DH, v.a. im Bereich nicht-lateinische Schriften mit Schwerpunkt Arabisch, Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, Qualitative und quantitative Ansätze mehrsprachiger Literaturgeschichte, Literatur und Mehrsprachigkeit, digitale Literaturwissenschaft, Postkoloniale DH und Dekolonisierung in Forschungsinfrastrukturen und -praxis, kritische Algorithmen-Studien und Wissenschaftsinfrastrukturen, Kritik epistemischer Gewalt, Gender- und Metawissenschaften/Kritische DH, DH Pädagogik.
| 9:00 - 9:15 Uhr Vorstellungsrunde | 9:15 - 10:00 Uhr Impuls und Q&A | 10:00 - 10:15 Uhr Kaffeepause | 10:15 - 10:45 Uhr OpenSpace Themenfindung | 10:45 - 15:15 Uhr OpenSpace, freie Einteilung der Arbeitszeit, Pausen nach Bedarf | 15:15 - 15:30 Uhr Kaffeepause | 15:30 - 16:30 Uhr Plenum | 16:30 - 17:00 Uhr Formulierung der Ergebnisse und Abschluss
20
Pinnwände, Beamer
1200 Wörter, max. 1500
Deadline: 2023-08-03
Kurzzusammenfassung der Einreichung mit ca. 100--150 Wörtern
Kontaktdaten aller Beitragenden sowie einen Absatz zu deren Forschungsinteressen
die Zahl der möglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Angaben zu einer etwa benötigten technischen Ausstattung
KEIN extra call für Workshop!
Der RadiHum Podcast möchte anlässlich der DHd2023 im März eine FOlge zu den AGs machen und führt dafür Interviews. Cosima und Till werden die AG Multilingual D vertreten
RadiHum hat zur Vorbereitung 2 Fragen gestellt
AG
zentrale Fragen
Arbeitsschwerpunkte
Workshop bei der DHd und im Anschluss um gemeinsam das Thema Multilingualität in seiner Vielschichtigkeit auszuloten
Antwort: (Entwurf) Vielen Dank für die Begutachtung und die Hinweise zur Präzisierung von Workshop-Motivation, Strukturierung und Methode. Gerne nehmen wir die Möglichkeit wahr, unsere Motivation weitergehend zu begründen und zu ergänzen. Zur Motivation und zu den (theoretischen) Hintergründen: Wir beziehen uns in der Einleitung und bei den "Herausforderungen" auf Dekolonisierungsdiskurse, wie sie aktuell z.B. an wissenschaftlichen Bibliotheken und Universitäten geführt werden (für den deutschsprachigen Raum siehe zB das Wiki des Netzwerks Dekolonialisierung von Bibliotheken im DACH-Raum https://decolonizethelibrary.miraheze.org/wiki/Hauptseite, für den englischsprachigen Raum siehe die Cambridge University Libraries Decolonisation Working Group https://www.lib.cam.ac.uk/about-library/diversifying-collections-and-practices/cambridge-university-libraries-decolonisation ). Global North und South sind dabei etablierte politische Begriffe zur Beschreibung von globalen Verhältnissen, die nicht regional, sondern sachspezifisch z.B. in Bezug auf Infrastruktur- und Mittelverteilung oder als Kritik an der Dominanz lateinischer Schriften in nicht-lateinisch-schriftlichen Kontexten in Bedeutung treten. Der Workshop nimmt hierzu im Kontext von Multilingualität und Multiskriptualität Wissenschaftsinfrastrukturen in den Blick.
Das ist der politische und theoretische Hintergrund für die drei Arbeitsbereiche, die für den Workshop strukturierend sind. Die Herausforderungen werden erstens bezüglich Wissenschaftsinfrastrukturen, die Multilingualität bislang (zu) wenig unterstützen werden im entsprechenden Abschnitt mit unterschiedlichen Beispielen illustriert. Verschiedene Definitionen und die Entstehung einer Arbeitsdefinition von Mehrsprachigkeit in DH, die nicht ausschließend, aber auch nicht beliebig ist, ist der zweite Bereich. Der dritte Bereich umfasst die Auseinandersetzung mit konkreten Problemen mit mehrsprachigen Projekten aus der DH-Community. Debei ist es ein Anliegen, den Problembereich zu kontextualisieren, um Anknüpfungspunkte für die DH Community und insbesondere andere DHd AGs zu bieten.
Hinweis an Programm-Team: Wir führen die Lesenden doch durch unseren Text und sind auch eigentlich gut strukturiert. Wir machen einen Punkt auf, illustrieren den dann und bauen eine Begründung auf, warum sich mit einzelnen Punkten beschäftigt werden muss.
Antwort:
Dabei werden zugleich von AG-Mitgliedern und anderen Interessierten eingereichte "user stories" vorgestellt
Antwort: Der OpenSpace ist ein erprobtes Konferenzformat, das in seiner Sonderform des Barcamps auch bereits bei der DHd Konferenz von der AG Zeitschriften oder auch im Rahmen der BUA OpenScholarship Initiativen erfolgreich durchgeführt wurde. Gerade weil im Kontext von Multilingualität und -skriptualität in Nicht-lateinischen Schriften bisher kaum ein gemeinsamer Blick auf Probleme und Herausforderungen über Projekt-, Sprach-, Schrift- und Fachdisziplingrenzen hinaus besteht, ist das OpenSpace Format eine Gelegenheit, Teilnehmer:innen gleichberechtigt die Möglichkeit zu geben, bisher nicht oder nur vereinzelt thematisierte Problemfelder zu öffnen und zu diskutieren.
Anders als das freiere Barcamp bietet ein OpenSpace hier durch die zu Beginn festgelegte thematische Struktur einen systematischeren Ansatz zur kreativen und lösungsorientierten Diskussion komplexer methodischer, technologischer und infrastruktureller Probleme. Zusätzlich bietet der OpenSpace eine herausragende Gelegenheit zur fachlichen Vernetzung.
Ziel der AG ist es, Lösungen für bestehende Probleme in einer möglichst gleichberechtigten, interdisziplinären Community zu erarbeiten. Das OpenSpace Format erscheint uns hierfür als naheliegende, erprobte und etablierte Methode.
Der vorgeschlagene Workshop der AG Multilingual DH adressiert ein Kernthema der DH, die Probleme mit Tools und Plattformen, die bei Mehrschriftlichkeit v.a. nicht-lateinischer Schriften entstehen. Technische Probleme werden ebenso angesprochen wie aus somit marginalisierten Verschriftungen resultierende kulturelle Asymmetrien. In der konzeptionellen Ausgestaltung werden weitere Aspekte wie grundsätzliche Probleme der kulturellen Hegemonialität des Globalen Nordens, die Lehre, globale sozioökonomische Dysbalancen und der "digital divide" angerissen. Der Workshop soll die kooperative Arbeit an der Identifizierung von damit zusammenhängenden Problemen und möglichen Lösungen ermöglichen. Die Arbeitsweise ist im zentralen Bereich ungesteuert: Auf Basis im Vorfeld eingereichter User Stories erfolgt die Findung von Arbeitsgruppen, die Gelegenheit zu einer fünfstündige kreativen Diskussion im Open Space-Format erhalten. Die Ergebnisse werden One-Minute-Präsentationen vorgestellt und sollen zu einer Chart führen, die Ausgangspunkt für weitere Initiativen der AG werden soll.
Inhalt Beitrag (03x): 3 Forschung (02x): 2 Methodik (02x): 1 Formal (01x): 4 Verständlichkeit (01x): 2 Empfehlung (04x): 3 Summe der Punkte : 33
Das Thema ist relevant und die Mitglieder der AG sind einschlägig ausgewiesen. Die Konzeption ist grundsätzlich erfolgversprechend, allerdings gibt es in der vorliegenden Form Unklarheiten und Inkonsistenzen. So wird einleitend von drei Themenbereichen gesprochen; diese Themen werden aber nicht konsequent verfolgt und, wie oben dargestellt, um zahlreiche weitere Dimensionen von Mehrsprachigkeit und kulturellen wie ökonomischen Problemen ergänzt, die teils - wie die sicher eklatante Problematik der Stromversorgung im Mittelmeerraum - außerhalb der für den Workshop vorgeschlagenen Thematik liegen. Unverbunden im Gesamtzusammenhang stehen die "Desiderate des forschens und lehrens" (sic). Soll die universitäre Lehre eine größere Rolle spielen? Insgesamt stellt sich die Darstellung der einzelnen Themenbereiche unausgewogen und wenig stringent dar. Die Verankerung im Forschungsstand wird in den einleitenden Abschnitten kumulativ gehandhabt, während weite Strecken der Argumentation im Abschnitt "Herausforderungen" ohne Referenzen auskommen. Dies wirkt sich negativ auf die Präzision der Darstellung aus, wie das Beispiel der aleatorisch verwendeten linguistischen Termini "fused lects" und "Code-Switching" zeigt. Schlagwörter wie "Digital divide" werden ohne Referenz und definitorische Anbindung an das Rahmenthema verwendet. Eine klarere und dann konsequent durchgeführte Schwerpunktsetzung wäre vorteilhaft, wobei sich ein thematisch engerer Zuschnitt empfehlen würde, damit die thematischen Kernbereiche nicht zu kurz kommen. Etwas irritierend ist die didaktisierende Geste, mit den - an sich doch kollegialen - Teilnehmenden "eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema (zu) üben". Einige Formulierungen ("Überstülpen der Buchstabenmetapher") mit teils religiöser Einfärbung ("Heilsversprechen", "Glauben an ein Heilsversprechen") verlagern sich auf Polemik, wo eine präzisere Argumentation zu erwarten wäre. So bleibt der Bezug auf die 32 verschiedenen Schreibweisen für 'mekkanisch' unklar.
Der zeitliche Ablauf sieht fünf Stunden für das Format der OpenSpace-Diskussion vor. Diese favorisiert "kreative Beiträge". Hier ist grundsätzlich zu fragen, wie die im gegebenen Kontext erforderliche wissenschaftliche Orientierung auf die DH-Community abgesichert wird.
Form: Den bibliographischen Eintrag Fiormonte, Sukanta Chaudhuri und Paola Ricaurte bitte anpassen, außerdem einige orthographische oder sprachliche Versehen. Der Aufruf zum vorbereitenden Einreichen von Userstories sollte in den Antragstext aufgenommen werden, um die thematische Kohärenz weitergehend zu dokumentieren und abzusichern.
Vielen Dank für die Begutachtung und die Hinweise zur Präzisierung von Workshop-Motivation und Methode.
Der Workshop wird von der neuen DHd AG Multilingual DH organisiert und will für die Ausrichtung der weiteren AG-Aktivitäten die Möglichkeit des Zusammenkommens der DH Community auf der Jahrestagung nutzen, um einen Raum für die weitere Öffnung und anschließend auch Präzisierung künftiger Aktivitäten zu geben. Die uns bislang schon bekannten Anknüpfungspunkte und "user stories" weisen eine hohe Diversität auf und belegen einmal mehr, dass Multilingualitäten in all ihrer Vielfalt kein edge case, sondern der Kern (digitaler) Geistes- und Kulturwissenschaften sind. Dies wird durch das von uns gewählte Beispiel der arabischen Schrift und Sprache deutlich. Dabei handelt es sich eben nicht um eine "kleine" Sprache: nach Latein und Chinesisch ist Arabisch die dritt-häufigste Schrift und die sechsthäufigste Sprache weltweit, eine von sechs Amtssprachen der VN und die liturgische Sprache und Schrift von weit über einer Milliarde Muslimen. Daher geht es bei den "user stories" nicht um individualisierte, projektspezifische Probleme, sondern um die wiederkehrenden Herausforderungen für DH Arbeiten in allen Konstellationen von Mehrsprachigkeit.
Damit ist deutlich, dass die AG und der Workshop für alle Aspekte von und Erfahrungen im Umgang mit Mehrsprachigkeit in den DH offen sein muss. Dafür wurde als Methode das Open Space Format gewählt, welches diesen Ansatz unterstützt.
Es ist ein erprobtes und in den DH breit angewandtes Konferenzformat. In seiner Sonderform des Barcamps wurde es auch bereits bei DHd Konferenzen, z.B. von der AG Zeitschriften, oder auch im Rahmen der Berlin University Alliance (BUA) OpenScholarship Initiativen erfolgreich durchgeführt. Gerade weil im Kontext von Multilingualität und -skriptualität in Nicht-Lateinischen Schriften bisher kaum ein gemeinsamer Blick auf Probleme und Herausforderungen über Projekt-, Sprach-, Schrift- und Fachdisziplingrenzen hinaus besteht, ist das OpenSpace Format eine Gelegenheit, Teilnehmer:innen gleichberechtigt die Möglichkeit zu geben, bisher nicht oder nur vereinzelt thematisierte Problemfelder zu öffnen und zu diskutieren.
Anders als das freiere Barcamp bietet ein OpenSpace hier durch die zu Beginn festgelegte thematische Struktur einen systematischeren Ansatz zur kreativen und lösungsorientierten Diskussion komplexer methodischer, technologischer und infrastruktureller Probleme. Zusätzlich bietet der OpenSpace eine herausragende Gelegenheit zur fachlichen Vernetzung.
Ziel der AG ist es, Lösungen für bestehende Probleme in einer möglichst gleichberechtigten, interdisziplinären Community zu erarbeiten. Das OpenSpace Format erscheint uns hierfür als naheliegende, erprobte und etablierte Methode.
Wir beziehen uns in der Einleitung und bei den "Herausforderungen" hinsichtlich der Verankerung im Forschungsstand auf Dekolonisierungsdiskurse, wie sie aktuell bereits an wissenschaftlichen Bibliotheken und Universitäten geführt werden (für den deutschsprachigen Raum siehe zB das Wiki des Netzwerks Dekolonialisierung von Bibliotheken im DACH-Raum https://decolonizethelibrary.miraheze.org/wiki/Hauptseite, für den englischsprachigen Raum siehe die Cambridge University Libraries Decolonisation Working Group https://www.lib.cam.ac.uk/about-library/diversifying-collections-and-practices/cambridge-university-libraries-decolonisation ). Global North und South sind etablierte politische Begriffe zur Beschreibung von globalen Verhältnissen, die nicht regional, sondern sachspezifisch z.B. in Bezug auf Infrastruktur- und Mittelverteilung oder als Kritik an der Dominanz lateinischer Schriften in nicht-lateinisch-schriftlichen Kontexten in Bedeutung treten. Der Workshop nimmt hierzu im Kontext von Multilingualität und -skriptualität Wissenschaftsinfrastrukturen in den Blick.
In diesem Kontext führen wir auch den Begriff des digital divide wie folgt ein: "Metaphern in Interfaces und Zeichenkodierungen, d.h. der Möglichkeit geschriebene Sprache digital abzubilden, sind die Basis sämtlicher Mensch-Maschine Interaktionen und begründen einen fundamentalen digital divide zwischen hegemonialem, anglophonen Globalen Norden und Globalen Süden" (zum Kontext dieses Diskurses siehe auch Fiormonte 2021). Unsere Ausführungen zu den strukturellen und institutionellen Aspekten des digital divide dominieren die Literatur zu diesem in unseren Feldern fest etablierten Begriff. Für einen relativ neuen Überblick möchten wir auf Ragnedda 2019 verweisen. Allerdings werden die Auswirkungen eines solchen digital divide auf die multilinguale DH vom Mainstream häufig nicht wahrgenommen, weswegen wir ihnen größeren Raum eingeräumt haben.
Die erläuterten Herausforderungen bezüglich der Wissenschaftsinfrastrukturen, die Multilingualität bislang (zu) wenig unterstützen, kontextualisieren den Problembereich insbesondere hinsichtlich von Anknüpfungspunkten für die Vernetzung mit anderen DHd AGs (konkrete Anfragen für die Zusammenarbeit im Workshop bestehen aus der AG Empowerment).
Ragnedda, Massimo. “Conceptualising the Digital Divide.” In Mapping the Digital Divide in Africa: A Mediated Analysis, edited by Bruce Mutsvairo and Massimo Ragnedda, 27–44. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2019. https://doi.org/10.2307/j.ctvh4zj72.6.
Bei der Einreichung der Workshop-Beschreibung sind wir von dem Grundwissen derjenigen ausgegangen, die sich mit Mehrsprachigkeit und DH beschäftigen. Dazu gehören u.a. die Konzepte von Global South / Global North wie auch der digital divide, die das Verhältnis zwischen Global South und North in den DH beschreibt. Wir hatten dieses Verhältnis indirekt eingeführt, in dem wir folgendermaßen darauf verwiesen: "Metaphern in Interfaces und Zeichenkodierungen, d.h. der Möglichkeit geschriebene Sprache digital abzubilden, sind die Basis sämtlicher Mensch-Maschine Interaktionen und begründen einen fundamentalen digital divide zwischen hegemonialem, anglophonen Globalen Norden und Globalen Süden." Einige Absätze weiter greifen wir den Begriff des digital divide dann wieder auf und buchstabieren seine Bedeutung auf strukturellen und institutionellen Ebenen detailliert aus.
Aufgrund der Kritik der Gutachterin: "Schlagwörter wie 'Digital divide' werden ohne Referenz und definitorische Anbindung an das Rahmenthema verwendet" gehen wir jetzt davon aus, dass diese Begriffe noch nicht im Zentrum der DH stehen. Das ist u.a. eines der Anliegen dieser AG. Strukturelles Nicht-Wissen ist dabei Teil der Problematik, der sich diese AG widmen will und deren Dringlichkeit sich auch in diesem Gutachten zeigt.
Es scheint so, dass einige für unsere Communities selbstverständliche Begriffe und Diskurse der Gutachterin nicht vertraut sind. Auch scheint sie mit den spezifischen Herausforderungen des von uns erwähnten digital divide zwischen Globalem Norden und Süden für die DH weder vertraut noch willens, sich mit unseren Positionen zu beschäftigen. So schreibt die Gutachterin: "Schlagwörter wie 'Digital divide' werden ohne Referenz und definitorische Anbindung an das Rahmenthema verwendet" obwohl wir den Begriff wie folgt einführen: "Metaphern in Interfaces und Zeichenkodierungen, d.h. der Möglichkeit geschriebene Sprache digital abzubilden, sind die Basis sämtlicher Mensch-Maschine Interaktionen und begründen einen fundamentalen digital divide zwischen hegemonialem, anglophonen Globalen Norden und Globalen Süden." Einige Absätze weiter greifen wir den Begriff des digital divide dann wieder auf und buchstabieren seine Bedeutung auf strukturellen und institutionellen Ebenen detailliert aus. In diesem Kontext gehen wir auch auf die Bedeutung von Characterencodings wie ASCII und Unicode ein, die z.B. dazu führen, dass es für Computer 32 Varianten des Encodings für das arabische Wort "mekkanisch" gibt, die für Menschen aber visuell identisch sind. Solange Betriebssysteme und Suchalgorithmen diese 32 Varianten für verschiedene Wörter halten, solange werden menschliche Nutzer_innen z.B. mit einer unbekannten Anzahl von false negatives konfrontiert sein oder Algorithmen zur Normalisierung von Suchanfragen bzw. Korpora schreiben müssen. Inwiefern sich diese Implikation von Characterencodings der Gutachterin nicht erschließt, bleibt uns unklar.
Die Einreichungs schlägt einen Workshop zu den Herausforderungen von Multilingualität in den DH vor.
Inhalt Beitrag (03x): 4 Forschung (02x): 4 Methodik (02x): 2 Formal (01x): 4 Verständlichkeit (01x): 3 Empfehlung (04x): 3 Summe der Punkte : 43
Das Thema Multilingualität ist zweifelsohne ein sehr zentrales und wichtiges Thema, dem man einen Platz bei der DHd einräumen sollte.
Die Herausforderungen des Themas sowie die Aspekte, denen sich der Workshop widmen möchte, werden in der Einleitung klar dargestellt. Ebenfalls wird der aktuelle Diskussionsstand – dem sich die AG vorranging widmet - hinreichend mit Literatur belegt. Im Fließtext zu den Herausforderungen multilingualer DH werden, auch aufgrund des Fehlens weiterer Gliederung, die Argumente zu den einzelnen Themenbereichen, die im Workshop in den Fokus genommen werden sollen, nicht deutlich und übersichtlich herausgearbeitet. An manchen Stellen bedient sich die Einreichung reichlich Pathos, das m.E. ob der unumstrittenen Relevanz des Themas nicht notwendig ist. Der Absatz zum „digital divide“ erscheint etwas unvermittelt und unkontextualisiert. In Bezug auf die Algorithmen für quantitative Verfahren wäre m.E. zu berücksichtigen, dass es auch für viele Sprachen des „globalen Nordens“ (besonders osteuropäische Sprachen) wenig automatisierte Verfahren gibt. Diesbezüglich sollte niemand ausgeschlossen werden.
Für die offene Diskussionsrunde erscheint die Moderation und Anleitung durch die Mitglieder der AG unbedingt notwendig: Ein völlig offenes Format, in dem Teilnehmende jederzeit beliebig zwischen Themen / Gruppen wechseln können, verspricht m.E. nicht die gewünschten Ergebnisse zu bringen, auf deren Basis die AG sinnvolle Impulse für ihre weitere Arbeit gewinnen kann. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Ergebnisse des Workshops stellt sich die Frage, wie diese publiziert werden sollen? Durch die AG zu einem späteren Zeitpunkt, oder als gemeinsame Publikation der TeilnehmerInnen z.B. auf Zenodo?
Eine Anregung wäre, neben der Multilingualität als weiteren Aspekt die Multikulturalität stärker einzubringen. So hat sich in anderen Internationalisierungsvorhaben, z.B. der Text Encoding Initiative, gezeigt, dass das Fehlen von Konzepten und Traditionen in bestimmten Kulturkreisen zu Übersetzungsproblemen geführt hat bzw. die Bereitstellung spezifischer Beispiele notwendig macht.
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Vielen herzlichen Dank für die Begutachtung und die Hinweise zur Präzisierung von Workshop-Motivation und Methode.
Der Workshop wird von der neuen DHd AG Multilingual DH organisiert und will für die Ausrichtung der weiteren AG-Aktivitäten die Möglichkeit des Zusammenkommens der DH Community auf der Jahrestagung nutzen, um einen Raum für die weitere Öffnung und anschließend auch Präzisierung künftiger Aktivitäten zu geben. Die uns bislang schon bekannten Anknüpfungspunkte und "user stories" weisen eine hohe Diversität auf und belegen einmal mehr, dass Multilingualitäten in all ihrer Vielfalt kein edge case, sondern der Kern (digitaler) Geistes- und Kulturwissenschaften sind. Dies wird durch das von uns gewählte Beispiel der arabischen Schrift und Sprache deutlich. Dabei handelt es sich eben nicht um eine "kleine" Sprache: nach Latein und Chinesisch ist Arabisch die dritt-häufigste Schrift und die sechsthäufigste Sprache weltweit, eine von sechs Amtssprachen der VN und die liturgische Sprache und Schrift von weit über einer Milliarde Muslimen. Daher geht es bei den "user stories" nicht um individualisierte, projektspezifische Probleme, sonderen die wiederkehrenden Herausforderungen für DH Arbeiten in allen Konstellationen von Mehrsprachigkeit.
Damit ist deutlich, dass die AG und der Workshop für alle Aspekte von und Erfahrungen im Umgang mit Mehrsprachigkeit in den DH offen sein muss. Dafür wurde als Methode das Open Space Format gewählt, welches diesen Ansatz unterstützt.
Er ist ein erprobtes und in den DH breit angewandtes Konferenzformat. In seiner Sonderform des Barcamps wurde es auch bereits bei DHd Konferenzen, z.B. von der AG Zeitschriften, oder auch im Rahmen der Berlin University Alliance (BUA) OpenScholarship Initiativen erfolgreich durchgeführt. Gerade weil im Kontext von Multilingualität und -skriptualität in Nicht-Lateinischen Schriften bisher kaum ein gemeinsamer Blick auf Probleme und Herausforderungen über Projekt-, Sprach-, Schrift- und Fachdisziplingrenzen hinaus besteht, ist das OpenSpace Format eine Gelegenheit, Teilnehmer:innen gleichberechtigt die Möglichkeit zu geben, bisher nicht oder nur vereinzelt thematisierte Problemfelder zu öffnen und zu diskutieren.
Anders als das freiere Barcamp bietet ein OpenSpace hier durch die zu Beginn festgelegte thematische Struktur einen systematischeren Ansatz zur kreativen und lösungsorientierten Diskussion komplexer methodischer, technologischer und infrastruktureller Probleme. Zusätzlich bietet der OpenSpace eine herausragende Gelegenheit zur fachlichen Vernetzung.
Ziel der AG ist es, Lösungen für bestehende Probleme in einer möglichst gleichberechtigten, interdisziplinären Community zu erarbeiten. Das OpenSpace Format erscheint uns hierfür als naheliegende, erprobte und etablierte Methode.
Die Ergebnisse des Workshops sollen in einem Chart zusammengefasst und visualisiert werden. Eine Publikation findet anschließend über Zenodo und über die Kanäle der AG statt (z.B. GitHub).
Wir beziehen uns in der Einleitung und bei den "Herausforderungen" hinsichtlich der Verankerung im Forschungsstand auf Dekolonisierungsdiskurse, wie sie aktuell bereits an wissenschaftlichen Bibliotheken und Universitäten geführt werden (für den deutschsprachigen Raum siehe zB das Wiki des Netzwerks Dekolonialisierung von Bibliotheken im DACH-Raum https://decolonizethelibrary.miraheze.org/wiki/Hauptseite, für den englischsprachigen Raum siehe die Cambridge University Libraries Decolonisation Working Group https://www.lib.cam.ac.uk/about-library/diversifying-collections-and-practices/cambridge-university-libraries-decolonisation ). Global North und South sind etablierte politische Begriffe zur Beschreibung von globalen Verhältnissen, die nicht regional, sondern sachspezifisch z.B. in Bezug auf Infrastruktur- und Mittelverteilung oder als Kritik an der Dominanz lateinischer Schriften in nicht-lateinisch-schriftlichen Kontexten in Bedeutung treten. Damit fallen die von der Gutachterin erwähnten osteuropäischen Sprachen in diesem Kontext in den Globalen Süden. Der Workshop nimmt hierzu im Kontext von Multilingualität und -skriptualität Wissenschaftsinfrastrukturen in den Blick.
In diesem Kontext führen wir auch den Begriff des digital divide ein. Ausführungen zu den strukturellen und institutionellen Aspekten des digital divide dominieren die Literatur zu diesem in unseren Feldern fest etablierten Begriff. Für einen relativ neuen Überblick möchten wir auf Ragnedda 2019 verweisen. Allerdings werden die Auswirkungen eines infrastrukturellen digital divide auf die multilinguale DH vom Mainstream häufig nicht wahrgenommen, weswegen wir ihnen größeren Raum eingeräumt haben.
Diese erläuterten Herausforderungen bezüglich technischer, sozialer und Wissensinfrastrukturen, die Multilingualität bislang (zu) wenig unterstützen, kontextualisieren den Problembereich insbesondere hinsichtlich von Anknüpfungspunkten für die Vernetzung mit anderen DHd AGs (konkrete Anfragen für die Zusammenarbeit im Workshop bestehen aus der AG Empowerment). Dabei wird unserer Meinung nach auch deutlich, dass natürlich sämtliche von den Herausforderungen multilingualer DH Betroffenen bei uns willkommen sind.
Ragnedda, Massimo. “Conceptualising the Digital Divide.” In Mapping the Digital Divide in Africa: A Mediated Analysis, edited by Bruce Mutsvairo and Massimo Ragnedda, 27–44. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2019. https://doi.org/10.2307/j.ctvh4zj72.6.
Der vorgeschlagene Workshop soll das Problem der fehlenden Multilingualität von Strukturen, Infrastruktur, Tools, Forschungsansätzen etc. problematisieren und diskutieren. Die Autor:innen sin der Ansicht, dass trotz vieler technischer Fortschritte (z.B. UTF-8) nach wie vor eine Hegemonie der englischen Sprache und lateinischen Schrift herrsche und Anliegen des Globalen Südens und nicht-englischsprachiger, nicht schriftsprachiger Communities unter den Tisch fallen. Der Workshop soll nach den OpenSpace-Prinzip funktionieren und damit große Freiheit der am Workshop teilnehmenden garantieren.
Inhalt Beitrag (03x): 5 Forschung (02x): 3 Methodik (02x): 5 Formal (01x): 5 Verständlichkeit (01x): 5 Empfehlung (04x): 4 Summe der Punkte : 57
Das Thema ist m.E. wichtig und gleichzeitig extrem vielfältig: Im Konzept werden eine ganze Reihe von Aspekten angesprochen: computerlinguistische Tools für nicht-englische Sprachen, Zeichencodierungen, die Sprache von Programmiersprachen, die Macht von Institutionen ohne demokratische Legitimation etc. Nicht angesprochen wird jedoch die Dominanz des Prinzips der Standardisierung in den DH, die wohl im Widerspruch zu im Konzept angesprochenen Problemen stehen. (Warum ist z.B. TEI-XML auf Englisch verfasst und repräsentiert wahrscheinlich primär Textkonzepte des Globalen Nordens? Eine diesbezügliche Flexibilität stünde wahrscheinlich den Standardisierungswünschen entgegen.) Zudem sehe ich die Entwicklungen in der Computerlinguistik nicht ganz so pessimistisch: Multilingualität, "kleine Sprachen" (und auch Variation und Varietäten) sind inzwischen weit besser abgedeckt; es bleiben jedoch Probleme, da stimme ich den Autor:innen zu. Das didaktische Konzept des OpenSpace ist überzeugend. Allerdings würde ich bei der Breite der angesprochenen Probleme doch empfehlen, generellere Statements oder Hypothesen, die sich von den "user stories" ableiten lassen, in die Arbeitsgruppen zu geben – nicht, um sie thematisch einzuschränken, sondern um ihnen einen reichhaltigen Input zu bieten, der nicht nur aus wahrscheinlich sehr speziellen user stories besteht.
Vielen Dank für die Begutachtung und die Hinweise zur Präzisierung der Methode und den Verweis auf das Spannungsfeld von Standardisierung und der Spezifizität kultureller Artefakte, dieses kann von der DHd AG Multilingual DH und dem eingereichten Workshop nur problematisiert aber nicht aufgelöst werden.
Der Workshop wird von der neuen AG Multilingual DH organisiert und will für die Ausrichtung der weiteren AG-Aktivitäten die Möglichkeit des Zusammenkommens der DH Community auf der Jahrestagung nutzen, um einen Raum für die weitere Öffnung und anschließend auch Präzisierung künftiger Aktivitäten zu geben. Die uns bislang schon bekannten Anknüpfungspunkte und "user stories" weisen eine hohe Diversität auf und belegen einmal mehr, dass Multilingualitäten in all ihrer Vielfalt kein edge case, sondern der Kern (digitaler) Geistes- und Kulturwissenschaften sind. Dies wird durch das von uns gewählte Beispiel der arabischen Schrift und Sprache deutlich. Dabei handelt es sich eben nicht um eine "kleine" Sprache: nach Latein und Chinesisch ist Arabisch die dritt-häufigste Schrift und die sechsthäufigste Sprache weltweit, eine von sechs Amtssprachen der VN und die liturgische Sprache und Schrift von weit über einer Milliarde Muslimen.
Vor diesem Hintergrund von digitaler Multilingualität als Grunderfahrung geht es, wie vom Gutachter angesprochen, bei den "user stories" nicht um individualisierte, projektspezifische Probleme, sondern die wiederkehrenden Herausforderungen für DH Arbeiten in allen Konstellationen von Mehrsprachigkeit.
Für die Vorstellung der AGs auf der DHd2023 möchten wir dieses Jahr die Zenodo Community “DHd-Verbandsaktivitäten” als Plattform verwenden: https://zenodo.org/communities/dhd-verbandsaktivitaeten/ Die Zenodo Community DHd-Verbandsaktivitäten versteht sich als Ergänzung zur Zenodo DHd-Community. Sie dient als kuratierter Ablageort für Präsentationen und Publikationen, wie bspw. Berichte und Materialien aus den DHd-Arbeitsgruppen. Zenodo akzeptiert nicht nur unterschiedliche Präsentationsformate, sondern bietet auch die Möglichkeit, die Arbeit der DHd-AGs über Keywords zu bündeln und zu referenzieren.
Wir möchten Sie daher einladen, bis zum 8. März 2023 Ihre AG-Präsentation in der Zenodo Community DHd-Verbandsaktivitäten hochzuladen. Die Auswahl des Formats liegt dabei bei Ihnen. Bitte achten Sie nur auf die Curation Policy und verwenden Sie die folgenden Keywords: DHd-AG und DHd-AG [Name der AG]. Bei Rückfragen zur Curation Policy steht Ihnen der Data Steward Patrick Helling (patrick.helling@uni-koeln.de). zur Verfügung. Zusätzlich bieten wir an, nach Wunsch ein ggf. fertiggestelltes AG-Video auf Youtube (DHd-Kanal) hochzuladen (CC-BY Lizenz). Bei Bedarf nehmen Sie gerne Kontakt zu Vivien Wolter auf (vivien.wolter@gmx.net).
Die AG Multilingual DH wurde 2022 mit dem Ziel ins Leben gerufen die Kritik am Linguistic Imperialism der Digital Humanities aufzugreifen, die DH in den deutschsprachigen Ländern bei diesem Thema an internationale Diskurse anzubinden, alle von den Herausforderungen multilingualer Kontexte in der Digitalität betroffene zu vernetzen und sowohl institutionelle als auch arbeitspraktische Verbesserungen an den vorhandenen Missständen zu erarbeiten. Das genaue Aufgabenspektrum wollen wir anlässlich der DHd2023 und einem direkt danach am 22.3.2023 online stattfindenden Workshop ausarbeiten.
Digitalität wohnt ein großes egalitäres Versprechen inne: der uneingeschränkte Zugang zum Wissen der Welt -- für jede*n, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Erweitert für die DH versprechen wir uns die Beantwortung zentraler Forschungsfragen durch die Anwendung computationeller Methoden auf das digital(isiert)e Kulturerbe der Menschheit.
Die Beschäftigung mit Mehrsprachigkeit im Kontext der digitalen Geisteswissenschaften steht unter dem Vorzeichen anglophoner Sprachdominanz, die sich auf verschiedenen Ebenen zeigt: Englisch ist die häufigste Arbeitssprache für (internationale) DH-Projekte, Zeitschriften, Konferenzen und Veranstaltungen. Wenn sich DH Gemeinschaften der anglophonen Anpassung entziehen, dann leiden sie oft darunter, international nicht wahrnehmbar und damit unsichtbar zu sein. Außerdem wirkt sich die anglophone Einsprachigkeit auf Projekte, Tools, Korpora, Metadaten und Infrastrukturen aus. Mehrsprachigkeitsdefinitionen in den DH beziehen sich dadurch erstens auf die Kritik (dominanter) Einsprachigkeit und befassen sich mit Sprachenvielfalt, indem Tools, Korpora, Daten, Projekte in unterschiedlichen Sprachen bzw. auf unterschiedlichen Sprachen verfügbar gemacht werden. Eine besondere Positionen kommt dabei Sprachen mit geringen Sprecher*innenzahlen sowie Sprachen ohne Schrifttradition zu. Mehrschriftigkeit ist ebenfalls ein Aspekt dieser Form von Mehrsprachigkeit. Mehrsprachigkeit und Mehrschriftigkeit gehen hier von einem Nebeneinander unterschiedlicher Sprachen aus. Zweitens befassen sich mehrsprachige DH-Ansätze mit inhärent mehrsprachigen Projekten, die mit mehreren Sprachen, über Sprachgrenzen hinweg oder zu gemischt-sprachlichen Phänomenen (fused lects) arbeiten. Hierzu gehören etwa Übersetzungen, die automatisierte Erkennung von Code-Switching oder Sprachvergleiche. Auch das Arbeiten mit verschiedenen historischen Sprachstufen fällt in diese Kategorie. Zuletzt umfassen Mehrsprachigkeitskonzepte in den DH auch das Verhältnis von Markup-Sprachen, Programmiersprachen, Beschreibungssprachen zu natürlichen Sprachen. Auch die individuelle Mehrsprachigkeit und Sprachkenntnisse der einzelnen Forschenden bzw. der Forschungsgruppen können in dem Zusammenhang reflektiert werden und sind auch häufig Ausgangspunkt in Diskussionen zum Mehrsprachigkeitsbegriff in den DH.
Unter den Stichworten “Decolonizing DH” oder “Disrupting Digital Monolingualism” wurde in der letzten Zeit Kritik an der einseitigen Zentrierung der Digital Humanities auf lateinbasierte Schriftsprachen laut. Dies umfasst mehrere Ebenen.
Zum einen bedeutet die Arbeit mit Nicht-Lateinischen Schriften und multilingualen Quellen in einer englischsprachigen Infrastruktur häufig ganz pragmatisch, eine hohe Toleranz gegenüber notwendigen Workarounds entwickeln zu müssen, sowie mit Inkompatibilitäten oder schlicht fehlender Unterstützung und Funktionalität für bestimmte Schriften und Sprachen konfrontiert zu sein. Das führt dazu, dass für diese Fälle neue Tools und Infrastrukturen entwickelt werden müssen. Nicht zuletzt durch die Marginalisierung der Multilingual DH sowohl im Bereich der Digital Humanities-Community, als auch im Bereich der klassischen Geisteswissenschaften, führt dies zu Parallelentwicklungen, da hier ein effektiver Austausch fehlt.
Neben diesen praktischen Problemen beinhaltet die Kritik aber auch eine Auseinandersetzung mit dem globalen, wissenschaftspolitischen System der Digital Humanities. Die technische und personelle Infrastruktur ist massiv abhängig von den finanziellen Mitteln, die im globalen Norden wesentlich umfangreicher vorhanden sind, als im globalen Süden. Dieser bleibt dadurch hinter dem globalen Norden zurück, der das Feld der Diskurse und Möglichkeiten prägt und bestimmt. Dieser “Kolonialismus” und die Marginalisierung der digitalen Wissenschaftspraxis des globalen Südens und die einseitige Fokussierung auf Themen des globalen Nordens stellen eine Hierarchisierung der Wissenschaftspraxis dar, die thematisiert, diskutiert und praktisch herausgefordert werden muss.
Vor diesem Hintergrund setzt sich die AG mit drei grundlegenden Themenbereichen dazu auseinander und behandelt allgemeine Fragen zur Mehrsprachigkeitsdefinitionen in den DH, darunter auch Fragen zum Verhältnis von Programmiersprachen und natürlichen Sprachen, dem Verhältnis von Einsprachigkeit und Mehrsprachigkeit in Wissenschaftsinfrastrukturen, sowie konkreten Probleme aus der mehrsprachigen, digitalen Praxis.
Die formale Mitgliedschaft ist an eine Mitgliedschaft in im Verband DHd geknüpft.
Die Informations- und Kommunikationskanäle haben wir im ersten Jahr der AG wie folgt gebündelt
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Abteilung Forschung und Entwicklung
Von-Melle-Park 3
20146 Hamburg
E-Mail: jonas.mueller-laackman@sub.uni-hamburg.de
Freie Universität Berlin
Universitätsbibliothek
Garystraße 39
14195 Berlin
E-Mail: cosima.wagner@fu-berlin.de
Humboldt-Universität zu Berlin
Universitätsbibliothek
Geschwister-Scholl-Str. 1
10099 Berlin
E-Mail: till.grallert@fu-berlin.de
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Germanistik
Abteilung Komparatistik
Ludwig-Wucherer-Str. 2
06108 Halle (Saale)
E-Mail: jana-katharina.mende@germanistik.uni-halle.de